Claus Beese: Prinz Claudius und der kleine Clown

Die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen dürfen, ist etwas Kostbares. Genießen Sie die stillen Momente, wenn Sie Ihr Kind abends ins Bettchen bringen und ihm vor dem Gute-Nacht-Kuss eine Geschichte zum Einschlafen erzählen oder vorlesen dürfen. Zu schnell geht diese Zeit vorbei. Die Geschichten in diesem Buch habe ich so aufgeschrieben, wie ich sie damals meiner Tochter erzählte, wenn sie sich in ihre Kissen schmiegte und gespannt auf meine Erzählungen wartete. Prinz Claudius und sein Freund, der Clown, halfen ihr beim Einschlafen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Geschichten auch Ihr Kind zum Träumen bringen würde.

Herzlichst Ihr Claus Beese


Blick ins Buch


Prinz Claudius verliert sein Lachen

Es war einmal ein kleiner Prinz, der hieß Claudius und lebte in einem großen Schloss. Neben dem Schloss befand sich ein großer Garten. Hier spielte er, wenn die Sonne schien.

Er tobte im Garten herum und lief auf den Wegen umher, schnell wie der Wind. Er wirbelte um die weiten Reifröcke der Hof-damen herum, dass diese einen Schreck bekamen. Doch bevor sie mit dem über-mütigen Jungen schimpfen konnten, war er bereits wieder hinter dem nächsten Ge-büsch verschwunden. Leider war er bei all seinen Spielen immer allein. Er hatte keine Spielgefährten, keine Freunde, mit denen er Spaß haben konnte. Er ging nämlich nicht wie andere Kinder in die Schule. Rechnen, Schreiben und Lesen brachten ihm Privat-lehrer bei, die nur für ihn ins Schloss kamen. Der Unterricht war anstrengend, denn der kleine Prinz war der einzige Schüler, und oft seufzte er abgrundtief.

Viel lieber hätte er Klassenkameraden ge-habt, mit denen er hätte lachen, spielen und raufen können. Stattdessen musste er nur lernen.

Einmal erzählte er seinem Vater, dem König von seinen Sorgen. Der hörte seinem Sohn aufmerksam zu und wiegte dann seinen Kopf, sodass die Krone auf seinem Haar zu wackeln anfing.

„Du bist nun mal ein Königssohn. Da musst du lernen, was in der Welt vor sich geht. Du musst wissen, wie man ein Volk regiert, und immer schlauer sein, als der Schlau-este in deinem Königreich“, erklärte ihm sein Vater. Wieder seufzte Prinz Claudius. Immer trauriger wurde er. Immer seltener hörte man sein Lachen in den Fluren und Sälen des königlichen Schlosses, bis er eines Tages ganz aufhörte zu lachen. Der kleine Prinz lief auch nicht mehr wie der Wind durch die langen Gänge im Schloss, er bummelte lustlos und schweigend an

der Ahnengalerie vorbei, stieg wortlos auf den Turm und schaute von den Zinnen herab über das Königreich. Wenn alle Menschen gewusst hätten, wie langweilig es war, ein Prinz zu sein, hätte niemand mehr die Prinzen auf der ganzen Welt beneidet. Es wurde ganz still in dem großen Schloss, und den Menschen kam das sehr seltsam vor.

Die Diener und Edelleute, sowie ihre Hof-damen versuchten, den kleinen Prinzen durch allerlei Späße und Schabernack aufzuheitern, doch der schaute nur ganz traurig drein. Nicht einmal die Mundwinkel wollte er mehr zu einem Lächeln verziehen. Der Koch des Königs bereitete ihm die schönsten Leckereien, kochte ihm die sü-ßesten Puddings und backte die sahnigs-ten Torten, doch der Prinz Claudius lachte nicht mehr.

Der König und die Königin machten sich große Sorgen um ihren Sohn. Man fragte den Hofarzt, doch auch der war ratlos. So ein Fall war ihm noch nicht untergekom-men. Ein kleiner Prinz, der nicht mehr lachte. Der Doktor las tage- und nächte-lang in seinen schlauen Büchern. Er sprach mit dem königlichen Apotheker ob der nicht eine Medizin wüsste, die dem kleinen Prinzen helfen könnte. Doch auch der konnte nicht helfen.

„Vielleicht“, sagte der Doktor zum König,

„wird ja das Lachen zurückkommen, wenn man ihn kitzelt.“

Man rief den königlichen Fußkitzler, der dem kleinen Prinzen die Schuhe auszog und ihn mit einer Gänsefeder unter den Fußsohlen kitzelte. Bald war die Feder ganz abgewetzt und ausgefranst. Doch es half nichts, der kleine Prinz wollte einfach nicht lachen, und der Fußkitzler musste

zugeben, dass seine hohe Kunst hier ver-sagte.

Mit traurigem Gesicht legte sich Prinz Claudius abends in sein Bettchen und schlief genau so traurig ein. Nur einer im Schloss bekam kein Auge mehr zu. Der Kö-nig konnte überhaupt nicht mehr schlafen. Hellwach lag er in seinem königlichen Bett und grübelte vor sich hin, bis am nächsten Morgen die Sonne wieder aufging. Was konnte er nur tun, damit der kleine Prinz wieder lachte?

Das Buch ist als eBook und Taschenbuch bei AMAZON und im gesamten Buchhandel erhältlich.


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