In Hannover und der weiten Welt ist man um 1900 nicht sicher vor ungewöhnlichen Mord(s)geschichten.
Brenzlige Situationen häufen sich ausgerechnet zu den Feiertagen.
Es trifft Ehepaare, Maler, Sucher nach einer heiligen Quelle, eine uneheliche Welfentochter – gerät selbst Kaiser Wilhelm II. in Gefahr? Schauplätze sind Berlin, Braunschweig, Gmunden in Österreich, Hannover, Konstantinopel, Kuba, La Palma, Linden, Norderney und St. Blasien.
Barbara Schlüter, Schriftstellerin und Historikerin, recherchierte wie stets akribisch in unterschiedlichen Milieus und förderte so manch Überraschendes zutage … Mit vielen historischen Aspekten und Beschreibungen zu Ortschaften und Gegenständen lässt sie das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert lebendig werden.
Barbara Schlüter
Ausgerechnet zum Feiertag
Historische Mord(s)geschichten
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Die Handlung und alle Personen des Textes sind frei erfunden.
Alle möglichen Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Vorgängen oder Ereignissen
bzw. mit lebenden oder gestorbenen Personen sind rein zufällig.
Der Judaskuss
Hannover und Konstantinopel – Osterzeit 1897
Ostermorgen
Wald und Strom im Silberduft,
Glockenklang in sonn’ger Luft;
Durch die Lande frisches Wehen –
Quellensingen, Auferstehen!
Mädchenherz, auch dich umblühe
Ahnungsreich die Osterfrühe:
Fühl den Himmel wieder offen –
Und Erfüllung jedem Hoffen!
Julius Lohmeyer
Fritz Bindseil blickte seinen Schwiegervater erstaunt an. »Eine Reise? Noch dazu eine so außergewöhnliche? Wozu soll das gut sein?«
»Walburga heiratete dich mit knapp siebzehn – viel zu früh! Ich hätte es gern gesehen, dass sie noch ihre Sprachkenntnisse weiter vertieft hätte – nicht zuletzt wäre dies auch nützlich für die Geschäfte gewesen. Frisch aus dem Pensionat ging sie in die Ehe mit dir, bekam in drei Jahren drei Kinder. Es wird Zeit, dass sie mal etwas von der Welt sieht.«
»Lieber Schwiegerpapa«, Fritz Bindseil wusste genau, dass sein fast gleichaltriges Gegenüber diese Anrede hasste, »du weißt, ich lese Walburga fast jeden Wunsch von den Augen ab, aber bei einer so blutjungen Gemahlin galt es, ein gerechtes, aber auch strenges Eheregiment zu führen. Dies ergab sich einfach aus der Natur der Sache, sie war ein entzückendes junges Frauenzimmer, dem jedoch natürlich noch einiges an Leitsätzen für das Ehe- und Familienleben, kurz das Rüstzeug für den Alltag fehlte.«
»Fritz, du bist ihr Mann, nicht ihr Vater. Das bin bekanntermaßen ich! Der Altersunterschied war ja allen Beteiligten hinlänglich bekannt. Und dadurch, dass du ihr den umfangreichen Ratgeber von Amalie Baisch Ins eigene Heim geschenkt hast, wurde der auch nicht wettgemacht. Sowohl deine Schwester als auch ich hätten sich für einen Vierzigjährigen eine etwas reifere Frau gewünscht.«
»Schnee von gestern«, murrte Fritz Bindseil. »Walburga und ich führen eine gute Ehe. Und eine so junge Frau kann ein Mann eben noch besser nach seinen Vorstellungen formen.«
»Das mit dem Formen ist dir ja intensiv gelungen, drei Geburten in drei Jahren! Ich mache mir Sorgen. Kaum war sie der Kinderstube entwachsen, machte sie ja ihre eigene auf.«
»Ja, aber mit lauter Mädchen! Nun habe ich eine junge, hübsche Frau, aber was nutzt mir das alles, ohne Stammhalter?«
Gustav Behrends zuckte mit den Schultern. »Du hast drei bildhübsche, nette kleine Töchter! Dafür kannst du doch dankbar sein. Und du weißt ja, dass der Arzt nach der Geburt des dritten Kindes dringend anempfohlen hat, keine Schwangerschaft mehr zu riskieren. Jede weitere Geburt bringt Walburga in Lebensgefahr.«
»Soll ich etwa leben wie ein Mönch? Du weißt selber, dass die Verderbnis der Säfte für einen Mann ungesund ist.«
»Nun sei mal nicht päpstlicher als der Papst. Wie ich dich kenne, wirst du dafür wohl eine Lösung gefunden haben.«
Fritz Bindseil zog an seiner Zigarre, die ihm Gustav angeboten hatte, und brummte vor sich hin.
In der Tat hatte ich mich arrangiert, dachte er. Anna, eine dralle kleine Weißnäherin aus dem Hannover benachbarten Linden, für ihre sechzehn Jahre doch recht kess, kam ihm da gerade recht. Im Gegensatz zu Walburga, die die ehelichen Pflichten lediglich über sich ergehen ließ, fand Anna ganz offensichtlich Spaß an der Freud. Das führte dazu, dass er des Öfteren in Linden weilte und Anna sich eine winzige Wohnung, die ihr ganzer Stolz war, leisten konnte. Diese Puppenstube hielt sie peinlich sauber. Allerdings fragte er sich manchmal, ob er der einzige Verehrer war, der sie dort besuchte. Jedenfalls war sie jetzt schwanger, was ihn veranlasste, davon auszugehen, dass es noch andere gab. Seine Besuche bei Anna hatte er ebenso prompt eingestellt wie seine Zuwendungen. Lasse mich schließlich nicht für dumm verkaufen, auch wenn sie Stein und Bein geschworen hat, das Kind sei von mir. Dummes Weibergeflenne, schimpfte er innerlich. Allerdings, das enthaltsame Leben, das ich jetzt wieder führe, passt mir überhaupt nicht. Und im Bordell holt man sich ruck zuck den Tripper oder Schlimmeres.
Sein Schwiegervater riss ihn aus seinen Überlegungen. »Also, ihr holt die versäumte Hochzeitsreise, die ihr aus uns wohlbekannten Gründen damals nicht unternehmen konntet, nach.«
»Zu frühe Geburten kommen in den besten Familien vor, Gustav!«
Der überhörte den Einwand vornehm und fuhr fort: »Eine Fahrt mit dem Orient-Express, das ist doch eine extraordinäre Sache. Das spannendste und modernste, was es zurzeit gibt. Konstantinopel, die Endstation Europas, die Stadt auf den zwei Kontinenten. Der Luxuszug wird euch ebenso auf andere Gedanken bringen wie die Stadt selber.«
»Aber, Gustav, das wird teuer! Und unsere Geschäfte!« Fritz fühlte sich völlig überrumpelt. »Außerdem kann ja wohl von Hochzeitsreise keine Rede sein«, fügte er halblaut brummig hinzu.
Sein Schwiegervater überging dies erneut geflissentlich.
»Unsere Geschäfte laufen glänzend. Behrends und Bindseil Import & Export steht so gut da wie lange nicht mehr. Und du könntest dich nach einigen Waren für unsere Firma umsehen. Der Zeitpunkt ist auch günstig. Denn die Muslime feiern Ostern nicht, also könnt ihr Geschäfte machen. Walburga kann dich da bestens unterstützen, sie hat einen exzellenten Geschmack und Gespür für Qualität – ich denke vor allem an türkische Shawls aus Kaschmir, Goldschmuck, Gewürze und hochwertige Sultaninen. Dazu einige exquisite Süßigkeiten, wie Halwa, die natürlich Walburga kosten muss. Auch Produkte für die nächste Ostersaison könnt ihr ordern. Naschereien zu Ostern werden ja immer beliebter, und verpacken lassen können wir hier. Oder wir befüllen zum Beispiel mit Ostermotiven gestaltete, zweiteilige Pappeier. Ich habe mich bereits im Fabrikantenverein erkundigt. Ihr werdet im besten Hotel absteigen, im Pera Palace.«
»Na, du bist ja mit deinen Planungen schon weit gediehen«, murrte Fritz, dem zugleich schwante, dass weiterer Widerstand gegen die Pläne seines Schwiegervaters zwecklos war.
»In der Tat, denn wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir verbinden das Geschäftliche mit dem Privaten. In Konstantinopel treffen sich Ost und West, da lassen sich gute Geschäfte anbahnen«, versuchte Gustav Behrends sein Gesicht zu wahren. Die Gesundheit und das Glück seiner einzigen Tochter, um die er sich große Sorgen machte, waren ihm das Wichtigste auf der Welt. Als Walburga ein hübsches kleines Mädchen war, entdeckte er bereits ihre rasche Auffassungsgabe. Es hatte ihm Spaß gemacht, sie Sprachen lernen zu lassen und sie mit den Waren bekannt zu machen. Welch ein Jammer, dass sie nur ein Mädchen war, sie hätte ohne Weiteres das Zeug gehabt, ins Geschäft einzusteigen. Er riss sich zusammen und wandte sich wieder an seinen Schwiegersohn.
»Wir werden uns noch um einige Kontaktadressen kümmern, Fritz, und dann könnt ihr vor Ostern losfahren.«
Walburga sah ihrem vierten Ehejahr mit gemischten Gefühlen entgegen. Niemand würde der immer noch schlanken, bildhübschen Neunzehnjährigen mit dem seidigen blonden Haar zutrauen, Mutter von drei Kindern zu sein. Ihre Ehe mit dem wesentlich älteren Geschäftspartner ihres Vaters war so lange recht harmonisch verlaufen, wie sie sich anpasste. Das Problem des fehlenden Stammhalters jedoch ließ sich nicht durch Anpassung lösen. Alle Sorgfalt, die sie anwendete, um einen perfekten Haushalt zu führen, eine gute Gastgeberin zu sein, auf die Gesundheit ihres Gatten zu achten, konnte dies nicht wettmachen. Sie sorgte dafür, dass ihr Fritz keine Speisen zu sich nahm, die Nüsse enthielten. Denn egal ob Hasel- oder Walnüsse waren diese ihrem Manne unverträglich. Wie gut, dass der Hausarzt dieser Tatsache überhaupt auf die Spur gekommen war, denn Fritz hatte sowohl nach dem Genuss einer Walnusstorte mit Sahne als auch einem Dessert mit Haselnüssen heftige Erstickungsanfälle bekommen, was Anlass zu großer Besorgnis gewesen war. Nun wusste sie, was strikt gemieden werden musste und erkundigte sich stets, wenn sie auswärts speisten, genau nach der Zubereitung der Gerichte, die er zu bestellen wünschte. Indessen konnte sie nicht mehr die Augen davor verschließen, dass eine gewisse Entfremdung eingetreten war. Dies lag nicht nur daran, dass sie das Ehebett nicht mehr miteinander teilten – jegliche Maßnahme, um eine Schwangerschaft zu vermeiden, lehnte ihr Gatte als unmännliche Zumutung ab –, sondern es auch zu keinerlei Austausch von Zärtlichkeiten mehr kam. Fritz, der bisher wesentlich jünger als ihr Vater gewirkt hatte, wurde stattlicher. Die Tränensäcke unter seinen Augen und sein Embonpoint verrieten, dass er den Mahlzeiten wie dem Wein reichlicher zusprach als früher. Walburga fühlte sich allein gelassen – Fritz bot ihr nicht mehr die starke Schulter und den sicheren Hafen des älteren Beschützers. Er hatte sich in einen vorzeitig alternden Nörgler verwandelt und ließ sie beständig ihr Versagen spüren, dass sie ihm keinen Stammhalter mehr schenken konnte.
Zunächst hatte sich Walburga sehr gegen Urlaubspläne gesträubt, da sie sich keinesfalls von ihren Töchtern trennen wollte. Und schon gar nicht zum Osterfest, da sich die Mädchen sehr auf den Osterfuchs freuten. Denn sie hatte die alte hannöversche Tradition, dass der Fuchs die Eier bringt, immer hochgehalten. Nun, die Kinder waren bei den Großeltern gut aufgehoben, und ihre Mutter würde sicherlich eine feine Semmel in der Form eines Lammes backen, wie sie es aus ihrer eigenen Kindheit in Erinnerung hatte. Wider Erwarten genoss sie jetzt die Reise. Bereits die Zugfahrt in der 1. Klasse nach Paris lenkte sie ab. Als sie dann am Gare de l’Est, der Ausgangspunkt des Orient-Expresses war, in den äußerst luxuriösen Zug einstiegen, kam Vorfreude in ihr auf. In circa neunzig Stunden würden sie in dem dampfenden Ungetüm, das ungeduldig schnaubend auf den Gleisen stand, über Wien, Budapest, Belgrad und Sofia ihr Ziel Konstantinopel erreichen. Wie oft hatte sie die Werbeplakate für den luxuriösen Orient-Express bestaunt, und nun würde sie selber damit fahren.
Es blieb gerade noch Zeit, um sich vor dem Dinner im Schlafwagen einzurichten und frisch zu machen. Schon beim Eintreten in das üppig ausgestattete Abteil bemerkte Walburga erleichtert, dass die Betten getrennt waren. Der Speisewagen übertraf noch ihre Erwartungen – das kostspielige Interieur konnte sich mit jedem Luxusrestaurant messen. Silber blinkte, fünfarmige Kerzenleuchter spendeten angenehmes Licht, Porzellan mit dem Emblem des Orient-Expresses zierte die perfekt eingedeckten Tische. Und auch die Speisekarte versprach höchste kulinarische Genüsse. Schildkrötensuppe Lady Curzon – ihr lief das Wasser im Munde zusammen.
Beim Dinner bewunderte Fritz Bindseil im Stillen seine junge Frau, die angenehm zu plaudern verstand und dabei scheinbar mühelos vom Englischen ins Französische wechselte. Sie strahlte eine selbstverständliche Weltgewandtheit aus, die ihm selber, das musste er leider feststellen, durchaus schwer fiel. Dies versuchte er mit einer Mischung aus Besitzerstolz und der Gelassenheit des Älteren zu überspielen. Gerade schlug sie der Tischrunde vor: »Lassen Sie uns die Gläser heben, um Georges Nagelmackers zu ehren, der 1876 die Compagnie Internationale des Wagons-Lits gründete. Wie gut, dass ihm die bequemen Pullman-Züge in den USA so gut gefielen, dass er so etwas auch unbedingt in Europa haben wollte.«
»Da kann ich meiner entzückenden jungen Gemahlin nur zustimmen.« Er hob sein Champagnerglas und lächelte freundlich herablassend in die Runde. Dieser Architekt August Jasmund, der den vielgepriesenen neuen Bahnhof im Stil des europäischen Orientalismus in Konstantinopel gebaut hatte, verschlang Walburga ja geradezu mit den Augen.
»Erstaunlich, mit wie wenigen Erschütterungen die Fahrt vonstattengeht«, bemerkte Walburga gerade.
»Das liegt daran, dass die Schlaf- und Speisewagen vierachsig und mit Drehgestellen ausgestattet sind, einige wurden von der Waggonfabrik Josef Rathgeber in München gebaut«, wusste der wohlinformierte Jasmund zum geheimen Ärger von Fritz Bindseil eilfertig zu erklären.
In der Nacht wiegten die sanft rollenden Räder Walburga in den Schlaf. Es ist, als ob sie summten: ‹Wir fahren weit, wir fahren weit›, ging es ihr durch den Kopf, bevor sie in einen lange nicht gekannten, festen Schlummer fiel.
Nach vier Tagen des Unterwegsseins, in denen sie beständig wechselnde Landstriche durchquert hatten, meinte Walburga: »Ich freue mich darauf, mehr Bewegung zu bekommen und Konstantinopel zu entdecken.«
Fritz Bindseil ging es ähnlich, aber er konnte dies natürlich nicht unkommentiert lassen. »Es ist nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. Und wenn unser Kaiser Wilhelm II. bereits 1889 an den Bosporus rauschte, so soll es uns auch recht sein, nun diese Stadt zu entdecken. Aber ich muss zugeben, den ganzen Komfort des Orient-Expresses noch mal auf der Rückfahrt zu erleben, wird ein krönender Abschluss sein.«
Beim letzten Frühstück vor der Ankunft in Konstantinopel nutzte Jasmund die Gelegenheit, um vor Walburga zu glänzen, was erneut den Unwillen von Fritz hervorrief.
»Gnädige Frau, ich bin sehr gespannt, wie Ihnen der Bahnhof gefallen wird. Der Komplex steht auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern, und Sie werden sehen, wie meine Studien über die osmanische Architektur den Stil beeinflusst haben. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass dies auch die Entwürfe anderer Architekten anregen wird. Außerdem ist das Gebäude mit seiner Gasbeleuchtung und seiner Winterheizung das Nonplusultra an Modernität.«
»Nun, das werden wir im Pera Grand Palace auch haben«, verwies Fritz den Angeber auf seinen Platz. »Das Pera ist das einzige Hotel, das Elektrizität, fließend warmes Wasser und einen Aufzug hat.«
»Sie werden auch im Pera absteigen, wie schön! Ja, mein Kollege Alexander Vallaury hat die Perle von Konstantinopel in einer Mischung aus Jugendstil, orientalischen und neoklassizistischen Stilelementen gestaltet. Das Viertel, in dem sich das Hotel befindet, wird auch Klein-Europa genannt. 1870 gab es dort einen verheerenden Brand, dem über dreitausend Holzhäuser zum Opfer fielen. Danach hat man alles im modernen Stil wiederaufgebaut.«
»So, so«, lautete der Kommentar des offensichtlich übellaunigen Fritz Bindseil, dem der letzte Absacker nicht bekommen war und dem überdies die Erkenntnis, mit dem lästigen Jasmund nun auch noch das Hotel teilen zu müssen, keineswegs gefiel.
Mittlerweile ging Walburga das Gerangel zwischen den beiden Männern auf die Nerven, und sie war froh, als sie endlich aussteigen konnten. Die Architektur des Bahnhofs begeisterte sie sofort, was sie gescheiter Weise für sich behielt.
Über den Türen, die ins Bahnhofgebäude führten, sorgten riesige Rosetten für Lichteinfall; die mit weißem Marmor kunstvoll ausgeführten Umrahmungen waren bis zur halben Höhe mit roten Ziegeln ausgefacht. Und welche Überraschung im Inneren! Drei übereinanderliegende, unterschiedlich geformte Fensterreihen machten die Säle hell und luftig. Die Mischung von Eisenarchitektur, osmanischen Baustilen und europäischen Elementen gefiel Walburga so gut, dass sie im Geiste dem charmanten Herrn Jasmund gratulierte. Kaum hatten sie die Räume durchquert, wurden sie von einem Angestellten des Hotels begrüßt, der sich um das Gepäck und die Formalitäten kümmerte.
Vor dem Bahnhofsgebäude wartete bereits die nächste Überraschung: Die Gäste des Pera wurden doch tatsächlich mit prächtigen Sänften abgeholt, die von jeweils zwei Männern getragen wurden! Wohl fühlte sich Walburga dabei nicht, aber ehe sie sich versah, war sie in eines dieser Gefährte hineinkomplimentiert worden. Eine Art Aufseher begleitete die Karawane, die sich nun Richtung Bosporus aufmachte.
Walburga fand es angenehm, endlich einmal allein zu sein und die exotische Kulisse, die sich draußen vor ihren Augen abspielte, ohne die Kommentare ihres Gatten genießen zu können. Die für ihr Auge ungewöhnlichen Gebäude zogen sie ebenso in ihren Bann wie das Gewimmel unterschiedlichster Menschen. Ein tief gebeugter Mann schleppte zwei riesige Ballen auf Kopf und Rücken, Männer mit Fes, Uniformierte, tief verschleierte Frauen, bärtige Juden, dazwischen einige Europäer mit flotten, kreisrunden Strohhüten auf dem Kopf zogen an ihr vorüber.
Nachdem sie den Bosporus überquert hatten, muteten die Häuser in der Tat europäischer an. Da hielten sie auch schon vor dem fünfstöckigen Hotel, dessen Eingang von einem in eleganter Eisenarchitektur gekrönten Glasdach überspannt war. Kurz darauf standen sie vor dem Fahrstuhl. Völlig beeindruckt von der zum Treppenhausgeländer passenden Komposition des Liftes aus Eisenornamentik und Holz sagte Walburga: »Das ist gewiss der schönste Aufzug der Welt. Der Lift steigt auf wie eine Lady, die geknickst hat. Dieser Aufzug wirkt zutiefst vollkommen, schön und aristokratisch. Das ist eine wunderbare Mischung von Technik und Ästhetik.«
Walburga bestaunte die luxuriöse Ecksuite mit den französischen Balkonen im vierten Stock. Aus den Fenstern ergab sich ein fantastischer Blick auf das Goldene Horn und Pera. Fritz, der neben sie getreten war und ihre Schulter umfasste, zeigte sich ebenfalls beeindruckt.
»War doch eine gute Idee von Gustav«, meinte er. »Was hältst du davon, wenn wir uns schnell frisch machen und dann eine Stadtrundfahrt unternehmen? Dann wären wir zum Tee im Kubbeli Salon wieder hier. Oder brauchst du ein Mittagessen?«
»Gute Idee, Fritz!« Walburga lächelte ihren Gatten an. »Wir haben so üppig gegessen in den letzten Tagen, dass ich nicht hungrig bin. Als Notfallration können wir uns einige Maccarones und Gebäck aus der berühmten Patisserie des Hotels mitnehmen.«
Die Stadtrundfahrt führte sie an der Blauen Moschee, der Hagia Sophia, dem Topkapi-Palast sowie den Yerbatan-Zisternen vorbei. Durch das Studium des Baedeker im Zug gut vorbereitet, wusste Walburga die eine oder andere Einzelheit anzumerken, ansonsten genossen beide die fremdartige Architektur und das Leben und Treiben.
Nachmittags begaben sie sich in den Kubbeli Salon. Bei leiser Piano-Musik zelebrierten sie den Tee, zu dem sich offenbar auch einige Mitglieder der Konstantinopler oberen Zehntausend eingefunden hatten. Man hörte neben Türkisch und Arabisch außerdem Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch. Die außergewöhnlich hohen Decken mit Lichtkuppeln, die riesigen Muranoglas-Leuchter, die üppig mit Marmor eingefassten Fenster, große Orientteppiche, die die Schritte auf dem Parkett dämpften, schufen eine unwirkliche, geradezu magische Atmosphäre.
»Die Architektur spiegelt die Mischung von Ost und West, von Orient und Okzident wider, die sich hier im Hotel versinnbildlicht«, fasste Walburga ihre Gedanken zusammen.
Ein Hotelpage brachte Fritz eine Nachricht. Nachdem er diese überflogen hatte, informierte er seine Frau: »Von einem unserer Geschäftspartner, Murat Bayar. Er lädt uns für heute Abend hier im Hotel zum Dinner ein.«
Murat Bayar, der sie an der Rezeption erwartet hatte, betrachtete Walburga mit kaum verhohlener Bewunderung. Er führte das Ehepaar Bindseil an einen runden Tisch in einer Ecke, von wo aus sie einen guten Überblick hatten.
Als Walburga sich in dem eleganten Restaurant diskret umsah, war sie froh, dass der Vater ihr noch einige Kleider nach der neuesten Pariser Mode aufgedrängt hatte. Es geht hier womöglich noch eleganter zu als im Orient-Express, dachte sie.
»Sie geben mir hoffentlich die Ehre und das Vergnügen, heute Abend meine Gäste zu sein«, drechselte Murat Bayar.
»Gern, Herr Bayar, aber nur, wenn wir uns revanchieren dürfen. Wir würden Sie im Gegenzug in ein typisches türkisches Restaurant einladen.«
Ihr Gastgeber drehte und wand sich, um schließlich zögernd zu entgegnen: »In ein wirklich typisches Restaurant könnten wir aber die Frau Gemahlin nicht mitnehmen, das ist bei uns nicht üblich.«
»Oh, das haben wir nicht bedacht, Herr Bayar«, entgegnete Walburga. »Selbstverständlich können Sie beide einen Herrenabend verbringen, ich bin hier ja bestens aufgehoben.«
Obwohl Fritz Bindseil sofort an August Jasmund denken musste, vermutete er unverhofft, orientalische Erfahrungen nicht nur in kulinarischer Hinsicht, sondern vielleicht auch mit einer Bauchtanzvorführung machen zu können und stimmte daher schleunigst zu.
Bayar überspielte die Peinlichkeit, indem er fragte: »Möchten Sie zur Begrüßung lieber Veuve Clicquot oder Mumm Cordon Vert? Und außer Champagner sicherlich noch ein Mineralwasser – Vichy, Vittel oder Perrier?«
»Sie scheinen hier ja, was die Getränke angeht, fest in französischer Hand zu sein«, begann Walburga Konversation zu machen.
»Nun, nicht umsonst hat Lamartine den Stadtteil Pera die Provinz im Osten genannt, aber wir wissen natürlich das Interesse und die freundschaftliche Unterstützung Ihres hochverehrten Kaisers zu schätzen«, versicherte Bayar. »Und nicht nur das, Sie werden auch beste deutsche Weine wie Hochheimer, Berncastler und Rauenthaler auf der Karte finden.«
Nachdem ein exquisites Menü zusammengestellt und geordert war, wandte sich Fritz den Geschäften zu.
»Morgen werden wir auch unsere geschäftlichen Besuche beginnen und durch den Großen Bazar und den Gewürzbasar streifen«, erklärte er.
»Ihre Gattin beteiligt sich aktiv am Geschäft?« Völlig irritiert sah Murat Bayar beide an.
Walburga schlug die Augen nieder und atmete tief durch. Wenn auch im deutschen Kaiserreich für die Frauen sehr vieles im Argen lag, hier herrschte ja wirklich noch finsterstes Mittelalter. Bevor jedoch Fritz Bindseil reagieren konnte, blickte sie die Herren mit einem feinen Lächeln an und antwortete: »Wir wollen doch den Geschmack unserer Kundinnen treffen und zugleich sicherstellen, dass deren Männer mit dem Auftritt ihrer Frauen zufrieden sind. Wie sollte dies besser geschehen als in der Zusammenarbeit? Ich weiß, worin sich Frauen attraktiv und wohl fühlen, und mein Mann weiß, in welchem Kleidungsstil ihm seine Frau besonders gefällt. Und wenn es um Schmuck und Essbares geht, spielt doch der Geschmack von Frauen ebenfalls eine große Rolle.«
Fritz war bei dieser Antwort sprachlos, was selten geschah. Noch nie hatte seine Frau solche Gedanken vor ihm geäußert. Murat Bayar fasste sich schneller als er und entgegnete mit einer tiefen Verneigung: »Ja, so gesehen leuchtet mir das schon ein.« Er überlegte einen Moment. »Ich werde Ihnen meinen Gehilfen Mustafa mitgeben. Er kennt sich im Bazar wunderbar aus, und er spricht recht gut Deutsch, auch etwas Englisch, das wird Ihnen eine große Hilfe sein.«
Am nächsten Morgen wurden sie bereits von Mustafa, traditionell gekleidet und mit einem Fez auf dem Kopf, an der Rezeption erwartet. Nachdem er sich tief verbeugt hatte, bedachte er Walburga mit einem zweifelnden Blick, zwirbelte seinen stattlichen Schnurbart und erklärte: »Die Kutsche wartet schon. Wir werden mit dem Gewürzbasar beginnen.«
Kaum waren sie dort wenig später eingetreten, sog Walburga begeistert die unterschiedlichsten Gerüche ein. Sie überflog die Vielfalt an Waren, denn hier gab es beileibe nicht nur Gewürze. Sie wusste sofort, dass die Basare, bei aller Bewunderung für die Baudenkmäler, das sein würden, was sie an Konstantinopel am meisten faszinierte.
Trotz des Hutes erregte sie mit ihrem blonden Haar mehr Aufsehen, als ihr lieb war. »Fritz, lass uns sofort ein Kopftuch kaufen, die Blicke, die hier an mir kleben, behagen mir nicht. Und außerdem wird das auch unserem türkischen Ansprechpartner nicht behagen.« Fritz nickte zustimmend. Die Art und Weise wie seine Frau hier mit den Augen verschlungen wurde, gefiel ihm keineswegs. Mit Hilfe von Mustafa suchten sie einen dunkelgrauen Shawl aus, den Walburga sich im Hintergrund des kleinen, aber feinen Geschäftes so um den Kopf schlang, dass ihr blondes Haar völlig bedeckt war. Dabei fielen ihr sofort Tücher in unterschiedlichsten Formen, Farben und Macharten auf, wie sie als Zierde im Sommer, als Umschlagtücher oder wärmender Schutz an Wintertagen auch in Deutschland wunderbar zu gebrauchen waren.
»Fritz, sieh nur«, sie versuchte ihre Begeisterung zu zügeln, um nicht die Preise hochzutreiben, »Seide, Merino, Kaschmir – und Muster, die auch in Deutschland gefallen werden!«
Ihr Gatte brummte Zustimmung.
Der Tag verging im Basar wie im Flug. Eine kleine Mittagspause musste reichen, und Mustafa staunte, was die deutsche Frau alles aussuchte. Shawls, Taschen, Goldschmuck, Gewürze und große Mengen Süßigkeiten, von denen sie sich die genaue Zusammenstellung übersetzen ließ. Einige probierte ihr Gatte, andere sie selber. Kein Beobachter hätte auch nur im Entferntesten vermutet, dass die junge Frau kurz, aber heftig mit der Versuchung rang, ihren Mann mit einer aus vielen Nüssen bestehenden Süßigkeit ins Jenseits zu befördern. Nein, dachte Walburga, auch wenn er jede Nacht alkoholisiert ist, mir Vorhaltungen macht, eifersüchtig ist und handgreiflich wird – wenn ich das tue, werde ich meines Lebens auch nicht mehr froh. Ich muss mich auf das Aussuchen der Waren konzentrieren. Das tat sie sehr ausgiebig. Ein extra herbeigerufener Bote aus der Firma Bayar war am Ende des Tages mit Paketen beladen, denn Walburga hatte darauf bestanden, von allen wichtigen Waren ein Probestück mitzunehmen. »So können wir zu Hause sicherstellen, dass wir wirklich die gleiche Qualität erhalten«, flüsterte sie ihrem Gatten zu. Fritz und Mustafa hatten den ganzen Tag über eine Menge Notizen zu machen, denn am nächsten Tag sollten die Verträge fixiert werden.
Als sie abends ziemlich erschöpft im Hotel ankamen, rang sich Fritz ein Lob ab: »Du bist eben doch die Tochter deines Vaters, der Handel liegt euch im Blut. Morgen kannst du dich ausruhen, während ich den kompletten Papierkrieg erledige.«
Nach dem Frühstück wagte Walburga einen kleinen Spaziergang durch Pera und genoss den Luxus des Hotels. Indessen wurden die Geschäftspapiere durchgesehen, die zweisprachig ausgefertigt waren. Abends, nach einem weiteren exquisiten Essen, tranken die Herren noch einen Abschiedsschluck in der Hotelbar. Fritz Bindseil schüttelte Murat Bayar die Hand. »Damit besiegeln wir das Geschäft wie unter königlichen Kaufleuten. Papier ist geduldig, aber letzten Endes müssen wir uns aufeinander verlassen können.«
»Das gefällt mir, Herr Bindseil. Beide Seiten werden zufrieden sein.«
Am letzten Tag genoss das Ehepaar Bindseil eine Bootsfahrt auf dem Bosporus, eine Freude, die der hochzufriedene Murat Bayar seinen deutschen Gästen und Geschäftspartnern zum Abschied machte. Für Getränke und Speisen vom Feinsten war gesorgt. Mustafa kümmerte sich, von einem Diener unterstützt, aufmerksam um die Gäste.
»Ich wünsche Ihnen Hayırlı Paskalya! Ein gesegnetes Eierfest«, sagte er artig. Fritz Bindseil sah völlig irritiert seine Frau an.
»Er meint frohe Ostern«, flüsterte sie ihm rasch zu und bedankte sich bei Mustafa für seine Aufmerksamkeit.
Der freute sich und schwärmte: »Vom Goldenen Horn aus fahren wir zunächst Richtung Marmara-Denizi, dem Marmara Meer. Was für ein Erlebnis, den Topkapi-Palast und die Blaue Moschee vom Wasser aus betrachten zu können! Wir werden nicht bis zum Mara Deniz, dem Schwarzen Meer fahren, aber es gibt vieles zu sehen, zum Beispiel den Dolmabahce-Palast, der vom Wasser aus betrachtet besonders imposant ist.«
Am Abend machte sich Walburga Notizen über das Gesehene, um die vielen wunderbaren Eindrücke festzuhalten, die bereits in ihrem Kopf zu schwirren begannen. Vor allem für die Osterzeit hatte sie ganze Sortimente von Süßigkeiten zusammengestellt, die bestimmt gut ankommen würden, denn Orientalisches aller Art war ja gerade sehr beliebt.
Und schon brach die Rückfahrt an. Walburga seufzte leise, während sie die letzten Kleinigkeiten aus ihrem Handkoffer im Schlafwagen verstaute. Mir graut vor der Heimreise, dachte sie. Nur widerwillig erkennt er an, dass ich auch etwas kann. Ihm wäre am liebsten, ich würde für immer der schwärmerisch in ihn verliebte Backfisch bleiben. Wie sollen wir uns da bis an unser Lebensende arrangieren? Aber das Schlimmste ist: Die Anzeichen, dass Fritz sich mir unbedingt wieder ehelich nähern will, sind überdeutlich erkennbar.
Ihr Gatte unterbrach ihre trüben Gedanken. »Ich werfe mich geschwind in den Frack. Dann genehmige ich mir im Rauchsalon vor dem Abendessen noch eine Zigarre. Mach dich in Ruhe schön. Ich hole dich ab.« Mit einem Kuss auf ihre Wange und einem gutgelaunten Klaps auf ihr Hinterteil entschwand er.
Walburga blickte nachdenklich hinter ihm her und seufzte erneut. Noch länger kann ich keine Unpässlichkeit vorschieben, dachte sie, während sie mechanisch ihr Haar bürstete.
Mittlerweile hatte Fritz im Rauchersalon einen anderen deutschen Geschäftsmann getroffen, mit dem er sich über die frisch gewonnenen Eindrücke in Konstantinopel austauschen konnte. Der für Krupp tätige Mitreisende meinte: »Der Bau der anatolischen Eisenbahn 1890 brachte eine starke Beschäftigung der deutschen Industrie mit sich. Das Deutsche Reich und unsere deutsche Nation haben im Orient nichts zu wünschen, aber wir haben ein Interesse an der Stabilisierung der dortigen Verhältnisse.«
»Ganz recht.« Fritz Bindseil warf sich weltmännisch in die Brust. »Der kranke Mann am Bosporus bedarf unserer Unterstützung! Also mit Volldampf vorwärts nach Euphrat und Tigris und nach dem Persischen Golf. Der Landweg nach Indien muss wieder in die Hände kommen, in die er allein gehört, in die kampf- und arbeitsfreudigen deutschen Hände.«
»Ich sehe schon, wir sehen die Dinge gleich.« Sein Gegenüber hob ein Glas mit Cognac, und die beiden prosteten sich noch des Öfteren zu, während sie rauchten und politisierten.
In allerbester Laune öffnete Fritz Bindseil die Abteiltür und bewunderte seine Gemahlin in einem eisblauen Abendkleid, welches ihre hellblauen Augen und ihr blondes Haar wirkungsvoll unterstrich.
»Du siehst zum Anbeißen aus, mein liebes Weib. Du kannst dich übrigens auf ein üppiges Abendessen freuen. Für die internationalen Gäste hat man im Speisewagen sogar mit Ostereiern dekoriert. Das passt doch gut – schließlich galt schon in der Antike das Ei als Sinnbild des Lebens und der Fruchtbarkeit. Dies wird die richtige Nacht zum Helden zeugen. Lass dir vorab schon mal einen Kuss rauben!«
Seine Frau erstarrte zur Salzsäule, was ihn nicht im Geringsten zu stören schien. Rücksichtslos umschlang er sie fest, überhörte ihre protestierenden Laute und drang mit seiner Zunge tief in ihren Mund ein. Ihr geradezu verzweifelter Widerstand stachelte seine Erregung noch mehr an.
Was hat sie doch für eine süße Zuckerschnute, dachte er, dann ließ seine Leidenschaft etwas nach, weil er plötzlich Atemnot verspürte. Er öffnete die Augen, und sein Blick fiel auf eine angebrochene sechseckige Packung der 1777 gegründeten Confiserie HACI BEKIR, Turkish Delight, Lokoum Original with Hazelnuts. Er stöhnte, ließ Walburga los, blickte sie entsetzt an und begann zu röcheln. Bevor sie irgendetwas tun konnte, fiel er um wie ein Baum und knallte mit dem Hinterkopf auf die Klinke der Abteiltür. Ein hässliches Knacken zeigte an, dass Fritz Bindseil sein Leben mit einem Genickbruch abrupt beendet hatte. Seine Gattin indessen, die dies noch nicht begriffen hatte, rief völlig aufgelöst den Schaffner herbei. Der blickte auf den Mann, befühlte die Halsschlagader und wurde blass. »Gnädige Frau«, stammelte er, »Ihr Mann ist tot.«
Walburga zitterten die Knie, sie fühlte sich völlig durcheinander. »Ausgerechnet zu Ostern«, flüsterte sie, die tödlichen Folgen des Kusses von Judas und die Ironie des Schicksals schossen noch durch ihren Kopf, bevor sie in Ohnmacht fiel.
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