Als Sophie dem Fotografen Marc begegnet, fühlt sie sich zum ersten Mal seit Jahren wirklich gesehen. Zwischen ihnen entsteht eine zarte, intensive Nähe bis ein Schatten aus Marc’ Vergangenheit auftaucht: Mira. Rätselhaft, verletzlich, unberechenbar.
Ein einziger Abend verändert alles.
Ein Club, eine Wahrheit, ein verschwiegener Schmerz.
Und ein Kind, von dem niemand gesprochen hat.
Während Marc versucht, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, kämpft Sophie mit ihren widersprüchlichen Gefühlen zu ihm und zu Mira. Doch statt zu fliehen, entscheidet sie sich für Mut: Sie hilft Marc, seinen Sohn zu finden, und reicht auch Mira die Hand.
Eine Geschichte über Vertrauen, Heilung und die leisen Wege, auf denen Menschen zueinanderfinden.
Über Liebe, die nicht perfekt sein muss, um wahr zu sein.
Und über drei Leben, die erst dann Frieden finden, als sie aufhören, gegeneinander zu kämpfen.
Blick ins Buch
Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben des kleinen Literaturcafés in Kreuzberg, als Sophie ihr Notizbuch aufschlug. Die Seiten waren voll mit halb fertigen Gedichten, Gedankenfetzen und Geschichten, die sie selbst jedoch nie erlebt hatte. Nur in ihrer Fantasie konnte sie diese Seite von sich ausleben.
Das Café lag an einer schmalen Kreuzberger Seitenstraße, die tagsüber unscheinbar wirkte. Die Fassade war alt, aus dunklem Backstein, der von der Witterung über die Jahre stumpf geworden war. Über der Tür hing ein schmales, leicht schiefes Schild aus Metall, auf dem in verblasster Schreibschrift „Café Lumen“ stand.
Die großen Fenster zur Straße hin waren beschlagen, wenn es regnete, und warfen ein warmes, honigfarbenes Licht auf das nasse Kopfsteinpflaster. Das Café wirkte wie ein Zufluchtsort, ein Ort, an dem man für einen Moment aus der Welt heraustreten konnte. Einer der Gründe, warum sich Sophie hier wohlfühlte.
Vor der Tür standen bei schönem Wetter zwei kleine runde Tische aus Gusseisen, deren Muster an alte Jugendstil-Ornamente erinnerten. Im Sommer saßen hier die Menschen mit Laptops, Skizzenbüchern.
Beim Eintreten umfing einen sofort der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, warmem Gebäck und einem Hauch von altem Papier. Das Café war nicht groß, eher langgezogen, mit niedriger Decke und dunklen Holzbalken, die dem Raum etwas Intimes gaben. Die Wände waren in einem tiefen Petrol gestrichen, das das Licht der Lampen sanft schluckte und gleichzeitig eine ruhige, fast poetische Atmosphäre schuf.
Heute spiegelten sich draußen die Lichter der Stadt in den Pfützen. Berlin ein wenig melancholisch und chaotisch. Eine Großstadt, in der die Menschen aneinander vorbei hetzten. Durch den Regen wirkte es noch anonymer.
„Ist dieser Platz noch frei?“, fragte eine tiefe Stimme und riss sie aus ihren Gedanken. Sophie blickte auf, verwirrt. Der Mann vor ihr trug eine schwarze Lederjacke, eine Kamera hing lässig über seiner Schulter. Seine Augen waren grau wie der Himmel und sein Blick hatte etwas von der Dunkelheit dieses Tages. Er schien sie mit einer Mischung aus Neugier und etwas, das sie nicht recht deuten konnte zu mustern. Ihr Verstand sagte ihr, sie sollte sich von diesem Mann fernhalten. Aber wann hörte sie schon mal auf ihren Verstand?
„Klar,“ sagte sie spontan und schob ihre Tasche zur Seite. Eigentlich war sie nicht der Typ für spontane Bekanntschaften.
Er setzte sich, bestellte einen doppelten Espresso und begann, durch die Linse seiner Kamera den Raum zu erkunden. Sophie beobachtete ihn verstohlen. Etwas an ihm weckte ihre Neugier. Nicht nur seine Präsenz, die er zweifelsohne ausstrahlte, sondern seine ganze Art, als wäre da etwas in ihm verborgen, das er nicht offenbaren wollte.
„Ich bin Marc,“ sagte er, ohne aufzusehen.
„Sophie.“
Ein paar Minuten vergingen, bis die Stille unangenehm wurde. Da wandte er sich ihr zu. „Du schreibst?“
„Gedichte. Überwiegend. Meistens auch nur für mich selbst, oder für Menschen die mich gut kennen.“
„Dann schreibst du für die Richtigen.“
Sophie lächelte. Es war das erste echte Lächeln seit Wochen. Ein Blick auf ihre Uhr verriet Sophie, dass sie zu ihrem nächsten Termin musste.
„Danke für Ihre Gesellschaft.“ Mit diesen Worten stand sie auf und verließ das Café. Marc sah ihr hinterher.
Am selben Abend, auf einer Vernissage in einer Galerie in Mitte, begegnete Sophie Mira. Mira war laut, sehr präsent, beinahe schrill. Ihre roten Lippen und das silberne Kleid zogen Blicke auf sich, doch als sie Sophie sah, wurde ihr Blick anders.
„Du schreibst doch Gedichte, oder?“, fragte Mira, als hätte sie Sophie schon lange gekannt.
„Woher weißt du das?“
„Ich habe dich letzte Woche bei dieser privaten Lesung gesehen. Ich fand deine Texte sehr berührend.“
Sophie errötete. Mira lachte leise. „Ich mag es einfach, wenn jemand mit seiner Kunst Gefühle ausdrücken kann.“
Sie unterhielten sich bis spät in die Nacht, über Kunst, über Schmerz, über das Gefühl, sich selbst nicht ganz zu kennen. Als Mira ihre Hand berührte, war es wie ein elektrischer Stromstoß. Damit hatte Sophie nicht gerechnet.
Und so begann es: Zwei Begegnungen, zwei Berührungen, zwei Herzen, die Sophie aus dem Gleichgewicht brachten.
Was sie nicht wusste, Marc und Mira kannten sich, sie hatten sich geliebt. Und gehasst. Und verloren.
Die Tage nach der Begegnung mit Marc und Mira waren für Sophie wie ein Rausch. Sie schrieb wieder Texte, die sich wie von selbst auf das Papier legten. Marc schickte ihr Fotos von verlassenen Straßen, von Gesichtern im Regen, von Augenblicken, die ihre eigenen Geschichten erzählten. Mira dagegen rief sie spontan an, um sie in eine Ausstellung mitzunehmen oder einfach nur, um durch die Stadt zu laufen und von ihren Träumen zu erzählen.
Doch je mehr Sophie sich öffnete, desto stärker spürte sie den Unterschied zwischen den beiden Welten, in denen sie sich gerade befand. Marc war wie ein Sturm. Er war unberechenbar, gefährlich, aber doch voller Gefühl mit einem Blick für das Besondere. Mira war wie ein Feuer. Bei ihr war es warm, hell, aber mit einer Glut, die alles verzehren konnte. Ihre Spontanität überforderte Sophie manchmal.
Eines Abends trafen sich alle drei zufällig in derselben Galerie. Sophie hatte Marc eingeladen, da sie wusste, dass die Ausstellungsstücke ihn interessieren würden. Sophie wusste nicht, dass Mira dort arbeitete. Als ihre Blicke sich kreuzten, war die Luft plötzlich schwer. Marc erstarrte, Mira lächelte kühl.
…
Das Buch ist als eBook und Taschenbuch im Buchhandel erhältlich.
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