Ein Umschlag mit Blutgeld, das der Privatdetektiv vorschnell spendet.
Zwei Killer stürmen sein Büro, ein bestechlicher Polizeipräsident und sein gewissenloser Freund, der Bürgermeister, jagen ihn durch einen Sumpf aus Korruption und Mord. Zwischen Salmiakpastillen gegen Kopfschmerzen und Revolvern gegen Auftragskiller kämpft er ums Überleben und um die Liebe zu seiner lockigen Geliebten. Am Ende bleibt nur Blei und Salmiak.
Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und hoffe sehr, dass Ihnen der Roman genauso viel Freude beim Lesen macht, wie ich sie beim Schreiben bereits hatte.
Herzlichst
Ihr Michael Suhr
Blick ins Buch
1
Staub
Oh Töpfer, knete immer zu,
den Ton gar fest, so ist es Brauch,
doch spricht der Ton mit leisem Hauch,
nur sachte, Mann, ich war wie Du.
Lass uns in das Weinhaus treten,
trinke in der kühlen Laube,
ehe sie aus Deinem Staube,
Krüge oder Becher kneten.
2
Selbstständig
„Raus hier, du Arschloch!“, waren die letzten Worte, die ich von meinem Boss, der sich mir im Laufschritt näherte, hörte. Flugs schlug ich ihm die Bürotür vor der Nase zu, rannte durch die Büroräume und suchte das Weite.
Was war geschehen? Ich war als Helfer in einem Kaufhaus engagiert, die Büros waren im obersten Stock und den Aufzug durften Angestellte nicht benutzen. Nachdem ich binnen einer Stunde das sechste Mal zum Bürovorsteher gerufen wurde und im Keller Kleinigkeiten für ihn holen sollte, war mir der Kragen geplatzt.
„Chef, ich war jetzt schon das fünfte Mal heute Vormittag da unten und es sind noch keine zehn Uhr. Was soll das?“
„Junge, ich brauche das Kohlepapier. Mach’ nicht solch eine Visage und lauf.“
Ich überlegte kurz, ob ich wortlos seinem Wunsch Folge leisten sollte. Ich benötigte das Geld und ein Rausschmiss hätte mich in Schwierigkeiten gebracht.
„Steh da nicht blöde herum, tue etwas für deinen Lohn! Worauf wartest du? Und mach nicht so ’ne Fratze, König Milchbart!“, blaffte er mich an.
„Chef, du bist ’ne faule Sau! Hol dir dein Papier selbst“, kam es gepresst aus meiner Kehle. Dabei fiel mein Blick auf seinen Schreibtisch. Neben den Dingen, die ich ihm heute bereits geholt hatte, zeigte sich unter den Geschäftspapieren die Ecke eines Magazins. Ich erkannte es, es war eines von der Sorte, die man beim Händler wegen des obszönen Inhaltes nur auf Nachfrage gezeigt bekam. Gegen mein besseres Wissen zeigte ich auf das Magazin und sprach weiter.
„Du willst deine Ruhe haben, nicht? Heimlich Wichsblättchen lesen und das Personal schikanieren, ja?“
Seine Reaktion war wie erwartet. Ich hatte auf seinen wunden Punkt gezielt und genau ins Schwarze getroffen, was mich treffsicher in die Erwerbslosigkeit beförderte. Schnell rannte ich, das Splittern der Bürotür in den Ohren, bis ich sicher war, dass ich den rasenden Kerl abgehängt hatte.
Zurück in meiner Bleibe überlegte ich, wie ich meine Brötchen künftig verdienen wollte. Gelernt hatte ich nichts, außer mich durchs Leben zu stehlen. Auf einen neuen Job als Trottel hatte ich keine Lust mehr, auch nicht in einem anderen Laden. Als Barkeeper hatte ich schon gearbeitet, der Umgang mit Betrunkenen fiel mir schwer. Blieben noch die Jobs auf Baustellen oder im Schlachthof, aber dort waren mir die Sitten zu rau. Einige meiner alten Kumpel versuchten sich als Kleinkriminelle, deren Dasein war jedoch ärmlich.
In mir war der Wunsch, es fortan besser zu machen, und meine Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Doch meine Frage, was ich denn tun sollte, blieb unbeantwortet. Am nächsten Morgen hatte ich die Idee, es mit einem Büro für preisgünstige Ermittlungen zu versuchen. Eine Detektei gab es zwar schon in der Stadt, aber die Honorare waren für die meisten Bürger unerschwinglich. Ich war alleine und ungebunden. Ein einziger Auftrag pro Woche hätte meinen Lebensunterhalt gesichert, selbst bei den günstigen Preisen, mit denen ich werben wollte.
Der Gedanke brannte sich in mein Denken ein, wurde immer präsenter. Wenige Tage später meldete ich ein Gewerbe als Privatdetektiv an, ich konnte nun auf eigene Faust ermitteln. Sogar einen angemessenen Büroraum fand ich. In einem antiken Bau mit bröckelnder Fassade mietete ich für kleines Geld ein möbliertes Büro. Die Tapete war nicht ganz neu, die Möbel auch nicht. Dafür war es billig und keiner störte sich daran, wenn ich nicht regelmäßig lüftete und der Geruch nach alter Möbelpolitur den Raum füllte.
Voller Stolz, aber mit schwindender Hoffnung, betrachtete ich jeden Morgen das polierte Messingschild mit meinem Namen. Es glänzte direkt am Eingang und war fast unübersehbar, weil die meisten anderen Schilder fehlten oder im Laufe der Zeit trüb und glanzlos geworden waren. Tag für Tag saß ich an meinem Schreibtisch, wie immer ohne Aufgabe, und überlegte, wie ich Kunden werben konnte.
An den Wochenenden erschien seit Kurzem eine winzige Anzeige in der Stadtzeitung, doch bislang hatte sich noch kein Mensch darauf gemeldet. Wenn das Telefon läutete, dann war es entweder der Vermieter, das Gaswerk oder die Telefongesellschaft, die allesamt Geld von mir wollten. Ende des Monats war es vorbei mit dem hoffnungsvoll gegründeten Büro für preisgünstige Ermittlungen.
Resigniert stach ich mit einem Bleistift Löcher in meinen Schreibtischkalender. Ich bohrte in ihm wie ein Besessener, der in der weltweit trockensten Wüste nach Wasser sucht. Danach verband ich die einzelnen Bohrlöcher mit Strichen, hoffte vergeblich, in dem Muster eine geheime Botschaft zu finden. Deprimiert versuchte ich, mich damit abzufinden, dass meine Detektei gescheitert war, legte den Stift zurück und warf den zerstochenen Kalender in den Papierkorb. Müde vom Warten ordnete ich die wenigen Dinge auf meinem Schreibtisch und verließ mein Büro.
Auf dem Flur standen zwei Männer. Sie trugen große Aktenkoffer und ihre Anzüge waren aus gutem Stoff. Beide hatten ihren Schnurrbart zu dünnen Streifen geschnitten, sie fixierten einen imaginären Punkt an der Wand. Als ich an ihnen vorüberging, fiel mir der ungewöhnliche Geruch auf. Ich überlegte, woher ich ihn kannte, konnte mich aber nicht erinnern.
Das Buch ist als eBook und Taschenbuch im Buchhandel erhältlich.
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